Erfolgreiches Anarchieprojekt
Im beschaulichen Blomberg (“kleine Stadt die alles hat”) zwischen Teutoburger Wald und Weserbergland gibt es tatsächlich ein Verkehrsproblem: zuviel Durchgangsverkehr, gefährdete Passanten, zuviel Schadstoffausstoß und eine durch Verkehr und Verkehrsführung unattraktiv gewordene Innenstadt.
Nach niederländischem Vorbild testet man in Blomberg seit heute das “Shared Space” Verkehrskonzept , welches auf Menschenverstand statt auf Regeln setzt: Verkehrsschilder, Strassenmarkierungen und physische Trennungen nach Gehweg, Radweg, Strasse werden entfernt. Es bleibt nur die rechts vor links Regel und der Glaube an die Rücksicht, die eine solch unübersichtliche und strukturlose Verkehrssituation erfordert.
Die Blomberger erklären das so:
“Ziel von Shared Space ist es, den fließenden Verkehr zu beruhigen und ein gleichberechtigtes Nebeneinander von allen Teilnehmern des Straßenverkehrs zu erreichen. Im Gegensatz zu einer Fußgängerzone wird bei Shared Space keiner der verschiedenen Verkehrsteilnehmer verdrängt. Erreicht wird das durch das Aufheben der räumlichen Trennung der verschiedenen Funktionen des Verkehrsraums in Fahrbahn, Gehweg, Parkraum usw.”
Auf dem Sender 1Live konnte man zum anlaufenden Versuch in Blomberg heute morgen einige schlappe Witze zu Gipsbeinen hören, sowie die Kommentare einiger bemitleidenswert verständnislosen örtlichen Senioren.
Dabei ist das Konzept nicht neu und wurde z.B. in der Gemeinde Bohmte bei Osnabrück vor einigen Jahren erfolgreich mit EU-Mitteln umgesetzt. Im Ergebnis ist die Innenstadt attraktiver, die Unfallstatistik ist positiv und jede der vielen Berichterstattungen zeugt von der Verblüffung um die Wirkung einer solch genial einfachen Idee. Die Wirkung lässt sich am besten durch die “vorher-nachher” Photos aus Bohmte zeigen:

Shared Space ist ein nachdenkenswertes Beispiel:
- für den Irrglauben komplexe Systeme stets regeln zu müssen
- für die Verbesserung durch Weglassen und die Genialität der Einfachheit, und schließlich
- für die Verantwortung die aus Freiheit entsteht.

Also “Verantwortung die aus Freiheit entsteht” hört sich schon verdammt gut an, muss ich zugeben, aber die Umsetzung ist und wird denk ich immer ein Problem sein, weil halt doch nicht alle Leute verantwortungsvoll fahren.
In so einer kleinen Stadt ist es sowieso einfacher solch eine Maßnahme durchzuführen.
gruß